Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist längst in Europa angekommen, so auch in Deutschland. Und dies hat weitreichende Folgen für die Schweinezucht, für den Handel, für die Jagd. Der Erreger, das ASF-Virus, ist äußerst stabil und über lange Zeiträume infektiös. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurden in den betroffenen Landkreisen bereits eine Vielzahl an Maßnahmen ergriffen. Zielführend sind diese jedoch nur, wenn jeder, der mit Schweinen und deren Produkten in Kontakt kommt, auf Hygiene und sachgemäße Entsorgung von Abfällen achtet.

Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest hat ihre Ursprünge in Ostafrika, wo sie als Krankheit bereits im frühen 19. Jahrhundert identifiziert wurde. Von dort aus breitete sich der Erreger auf einen Großteil des Kontinents aus.

Die Afrikanische Schweinepest in Europa und der Welt

Nach Europa gelangte das ASP-Virus erstmals in den 1950er und 60er Jahren. Es trat zunächst in Portugal und Spanien auf, bevor es sich in weitere europäische Länder, sowie bis nach Lateinamerika ausbreitete. Seit den 1990er Jahren galt der Erreger außerhalb Afrikas als ausgelöscht.

In der Europäischen Union ist die ASP erst wieder im Jahr 2014 aufgetreten. Untersuchungen zufolge wurde das Virus im Jahr 2007 vom afrikanischen Kontinent nach Georgien gebracht und durch unsachgemäße Entsorgung von Speiseabfällen übertragen. Die ASP breitet sich seither aus den an Osteuropa angrenzenden Ländern zunehmend westwärts aus. So gab es unter anderem Fälle in Tschechien (Juni 2017), Belgien (September 2018) und Italien (Januar 2022).

Laut Erhebungen der World Organisation for Animal Health (OIE) befinden sich betroffene Gebiete heute in 35 Ländern auf fünf Kontinenten. Allein seit Januar 2020 ist das Virus in acht Ländern erstmalig aufgetreten, darunter Ozeanien, Papua-Neuguinea, Nordmazedonien und Thailand.

Ist die Afrikanische Schweinepest schon in Deutschland?

In Deutschland ist die Krankheit zum ersten Mal im September 2020 identifiziert worden. Der Erreger wurde im Kadaver eines Wildschweins in Brandenburg im Landkreis Spree-Neiße nahe der polnischen Grenze festgestellt. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) vermutet, dass das Tier aus dem benachbarten Polen migriert ist, wo es bereits Fälle der Afrikanischen Schweinepest gegeben hatte.

Im Juli 2021 bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut eine erstmalige Übertragung des Virus auf Hausschweine. Im Jahr 2022 wurden bisher 488 Wildschweine mit dem Virus erfasst. ASP-Fälle wurden bisher in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern registriert (Stand 14. Februar 2022).

In der Folge wurden Sperrzonen in den betroffenen Ländern eingerichtet. Aktuell bestehen Sperrzonen in neun Landkreisen in Brandenburg und Frankfurt (Oder), drei Landkreisen in Sachsen sowie in der Stadt Dresden. Andere Sperrzonen in den Landkreisen Spree-Neiße und Märkisch-Oderland sowie in Mecklenburg-Vorpommern sind inzwischen wieder aufgehoben worden.

Aktuelle Informationen zu neu registrierten ASP-Fällen sind auf der Webseite des Tierseuscheninformationssystems (TSIS) abrufbar.

Übertragung der Afrikanischen Schweinepest

Wie kommt es zu einer Infektion (ASP Ausbrüche) und welche Tiere sind betroffen? Die ASP kann zwischen Schweinen (Haus- und Wildschweine) übertragen werden - wie die klassische Schweinepest. Für den Menschen ist der Erreger ungefährlich: Der Verzehr von kontaminiertem Schweinefleisch führt nicht zu einer Ansteckung. Auch andere Tierarten sind nicht gefährdet.

Übertragungswege

Die Afrikanische Schweinepest wird in der Regel von Tier zu Tier übertragen und dann im Rahmen migratorischer Bewegungen von Wildschweinen weitergetragen.

Der Mensch spielt in den Übertragungswegen ebenfalls eine wichtige Rolle. So kann das Virus verbreitet werden, wenn kontaminierte Lebensmittel wie Wurst und Fleisch unsachgemäß entsorgt werden, sowie über Oberflächen und Gegenstände.

In den afrikanischen Ursprungsländern wird das Virus zudem über die heimischen Lederzecken verbreitet. Eine Verbreitung durch Mücken, Zecken oder Bremsen ist in unseren Breiten bisher nicht nachgewiesen worden.

Der Erreger ist sowohl im Blut als auch im Schweiß und im Körpergewebe betroffener Tiere enthalten. Er ist äußerst stabil in kann in einer proteinreichen, feucht-kühlen Umgebung mehrere Jahre lang infektiös sein. Hitze über 70 °C und ein pH-Wert unter 4 und über 10 sorgen hingegen für eine zügige Abtötung des Virus.

Afrikanische Schweinepest: das sind die Symptome

Doch wie erkennt man, ob sich ein Tier mit ASP angesteckt hat? Mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest infizierte Tiere weisen eine Vielzahl unspezifischer Krankheitssymptome auf. Diese reichen von Schwächeanzeichen und Fieber, über Appetitlosigkeit und Atemnot bis hin zu Störungen der Bewegung, Koordination und Orientierung. Darüber hinaus kann es zu Durchfall und Blutungen aus der Nase, der Haut sowie blutigem Kot kommen. Die Afrikanische Schweinepest verläuft tödlich. Die meisten Tiere verenden innerhalb von etwa sieben Tagen.

Wie erkennt man die Krankheit?

Im Rahmen einer Nekropsie bzw. beim Aufbrechen der Stücke sollte auf folgende bedenkliche Merkmale geachtet werden:

  • bläulich gefärbte Gliedmaßen
  • vergrößerte Milz
  • blutige und vergrößerte Lymphknoten
  • Blutungen der Organe (Nieren, Leber) und der Haut
  • mit Schaum gefüllte Atemwege und Lunge

Ein Fehlen dieser Auffälligkeiten schließt eine Infektion mit ASP nicht aus. Verdächtige Fälle sollten daher unbedingt gemeldet und durch eine kundige Person bestätigt werden.

Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest

Die ASP ist längst zu einem weltweiten Problem geworden. Auch wenn es manchen Ländern und Regionen in der Vergangenheit gelungen ist, das Virus auszurotten, breitet es sich heute weiter in neue Regionen der Welt aus. Zusätzlich gibt es immer wieder neue Fälle in Ländern, die in den vergangenen Jahren als ASP-frei deklariert wurden.

Nach Einschätzung der OIE bringt die Afrikanische Schweinepest weitreichende Folgen für die weltweite Schweinezucht, Tiergesundheit und für die Lebensmittelsicherheit in vielen Ländern mit sich. Auch der internationale Handel ist betroffen, so etwa durch Importverbote. So erließen Südkorea, Japan, Brasilien, Argentinien und China, Deutschlands Haupthandelspartner für Schweinefleisch, nach Bekanntwerdung des ersten ASP-Falls ein Import-Verbote für deutsches Schweinefleisch.

Und dies hat unmittelbare Folgen für die Preise in Deutschland. So ist der Preis für Schweinefleisch infolge des Ausbruches der Afrikanischen Schweinepest um 20 Prozent abgestürzt. Seither machen viele Betriebe Verluste. Laut Angaben des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB) machten Schweinehalter in Sachsen aktuell 50 bis 80 Euro Verlust pro Schwein (Stand Januar 2022).

Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest: Sperrzonen und Quarantäne

Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es heute noch keinen wirksamen Impfstoff gegen den Erreger der Afrikanischen Schweinepest. Dies liegt nach Einschätzung des FLI nicht nur an der Komplexität des Erregers. So ist etwa umstritten, ob ein prophylaktischer Impfstoff tatsächlich Vorteile gegenüber anderen Methoden der Tierseuchenbekämpfung mit sich bringt. Der Einsatz eines Impfstoffes in der Schweineproduktion hätte zudem weitere Auswirkungen, darunter etwa Handelseinschränkungen. Stattdessen regt das FLI weitere Bemühungen für eine Köderimpfung gegen Fälle der afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen an.

Ohne Impfstoff oder Therapiemöglichkeiten für die Behandlung infizierter Schweine beschränkt sich die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest auf vorbeugende sowie eindämmende Maßnahmen. Dazu zählen betriebliche Hygienemaßnahmen, die Einrichtung von Sperrzonen, Populationsregulierung und die frühzeitige Erkennung von Krankheitsfällen.

ASP-Fall: Einrichtung von Sperrzonen

Sperrzonen werden in „gefährdete Gebiete“ und „Kerngebiet“ aufgeteilt. Gefährdete Gebiete befinden sich dabei im Umkreis von mindestens 15 km eines Kerngebiets, in dem ein ASP-Fall identifiziert wurde. In diesen Gebieten wird der Transport reglementiert sowie der Auslauf und die Freilandhaltung ausgesetzt. Im Kerngebiet besteht Jagdruhe, während in den gefährdeten Gebieten ggf. Bejagungsschneisen eingerichtet werden. Infizierte Wildschweine sollen gefunden und eingesammelt werden.

An das gefährdete Gebiet schließt sich eine Pufferzone mit einem Radius von 30 km an. Die aus diesem Gebiet stammenden Tiere dürfen nur innerhalb Deutschlands transportiert werden und nicht ins Ausland gelangen. Ausnahmen sind nur unter Einhaltung strenger Regeln möglich. In der Pufferzone kann die zuständige Behörde eine verstärkte Bejagung auf Schwarzwild anordnen. Die Maßnahmen können frühstens sechs Monate nach dem letzten ASP-Fall von Veterinäramt aufgehoben werden.

Wenn neben Wildschweinen auch die Hausschweine eines Betriebes betroffen sind, wird für diesen ein Sperrbezirk im Radius von 3 km sowie ein Beobachtungsgebiet von weiteren 7 km eingerichtet. Transport und künstliche Besamung werden verboten. Die Tiere werden durch die zuständige Behörde untersucht. Die Quarantäne im Sperrbezirk wird erst nach 40 Tagen ohne weiteren ASP-Fall aufgehoben.

Vorbeugung

Um eine Ausbreitung des ASP-Erregers zu verhindern, können sich Gruppen, die beruflich mit Haus- und Wildschweinen zu tun haben, sowie die Verantwortlichen in betroffenen Landkreisen einer Vielzahl an Maßnahmen bedienen.

Schutzzäune: Um zu verhindern, dass sich die Afrikanische Schweinepest über Länder hinweg ausbreitet, dienen Schutzzäune dazu, die Migration von infizierten Tieren zu behindern. So ließ das Land Brandenburg im Dezember 2019 einen Schutzzaun an der Grenze zu Polen errichten.

Biosicherheit: Darüber hinaus ist der Schutz der Nutztierbestände durch entsprechende Maßnahmen im Betrieb unerlässlich. Die Schweinehaltungshygieneverordnung bildet hierbei die Grundlage zur Einhaltung der Biosicherheit.

Fleisch und Wildbret-Hygiene: Kontaminierte Gegenstände wie Fahrzeuge, Werkzeug, Schuhwerk sollten mit äußerster Vorsicht behandelt und sorgfältig desinfiziert werden. Auch Wildschweinprodukte aus betroffenen Regionen sind risikobehaftet.

Meldung von Todes- und Krankheitsfällen: Die systematische Meldung beim Tierfund-Kataster sowie die Untersuchung von verendeten Wildschweinen helfen dabei, die Ausbreitung zu überwachen und Maßnahmen an den richten Orten zu ergreifen.

Aufklärung und Information: Zu den Vorbeugungsmaßnahmen gehört auch, dass sich Jäger und Landwirte und deren Beschäftigte ständig zu den jüngsten Entwicklungen auf dem Laufenden halten sowie über ausreichend Informationen verfügen, um Infektionen zu verhindern. Aktuelle Informationen sind unter anderem im Radar Bulletin des FLI zu finden.

Entsorgung von Nahrungsmitteln: Auch Menschen, die nicht direkt mit Wild- und Hausschweinen in Kontakt sind, können zur Ausbreitung des Erregers beitragen. So besteht etwa auf Reisen die Gefahr der Einschleppung über Reiseproviant. Die korrekte Entsorgung von Nahrungsmitteln und Küchenabfällen ist unerlässlich.






Sauberkeit in der Küche